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MagazinLeseproben

Nine Inch Nails

Warum eigentlich nicht?

Nine Inch Nails Sechs lange Jahre ist es her, seit mit "The Fragile" das letzte reguläre Studioalbum der Nine Inch Nails erschien. Sechs Jahre, in denen sich nicht nur die Welt im Zuge von Terror und Krieg nachhaltig verändert hat, sondern auch sechs Jahre, die NIN-Mastermind Trent Reznor zu einem anderen Menschen gemacht haben. Präsentierte er sich Ende der 90er noch als unnahbarer, wütender Diabolo, der vom Industrial-Olymp auf sein unwürdiges Publikum hinabschaute, wirkt er nun wesentlich ausgeglichener. Kein Wunder also, dass sein neuestes Album "With Teeth" im Vergleich mit seinem Vorgänger eine ungleich klarere, eingängigere Platte geworden ist, auf der Reznor - nach der Trennung von seinem Manager John Malm und der Abkehr vom durch ihn mitinitiierten Label Nothing inzwischen wieder in Los Angeles heimisch geworden - spielerisch den NIN-Markenzeichen-Sound erweitert und verändert.

Daran, dass er überhaupt eine weitere NIN-Platte machen würde, hat Reznor wohl selbst lange nicht geglaubt. Die Bürde der eigenen Erwartungen und der Druck, Meisterwerke wie "Pretty Hate Machine" oder "The Downward Spiral" zu übertreffen, lasteten schwer auf den Schultern des inzwischen 40-jährigen Amerikaners. Der wahre Grund für die lange Funkstille war allerdings ein anderer, und ganz offensichtlich ist es Reznor ein Bedürfnis, darüber zu sprechen. Beim Interviewtermin in seiner Kölner Hotelsuite, bei dem er sich unerwartet zugänglich zeigt, sich lässig in die Kissen seines Sofas fläzt, erstaunlich oft lacht und trotzdem pro Gesprächspartner nur knappe 25 Minuten seiner Zeit opfert, verschwendet er jedenfalls nicht viel Zeit mit Höflichkeiten und kommt - ungefragt wohlgemerkt! - gleich zu Beginn auf den Auslöser seiner langen Abwesenheit zu sprechen.

"Was soll ich sagen? Vermutlich wirst du mich eh danach fragen, also können wir auch gleich zum Punkt kommen: Ich habe in den vergangenen Jahren sehr lange mit meiner Sucht gekämpft. Deshalb hat es so lange gedauert, bis ich die neue Platte machen konnte. Selbst das Album davor war davon nicht unberührt, denn meine Probleme begannen eigentlich schon auf der ‚Downward Spiral'-Tour. ‚The Fragile' brauchte eine lange Zeit, weil ich mir nicht eingestand, wie schlecht es um mich bestellt war. Die Aufnahmen für diese neue Platte dauerten zwar nicht sehr lange, aber als die letzte Tour kurz vor dem Jahreswechsel 2001 endete, war ich völlig am Ende. Ich hatte nur zwei Möglichkeiten: Den Weg in den sicheren Tod einschlagen oder mein Leben komplett umkrempeln. Das ist keine Übertreibung, genau so war's! Zu dem Zeitpunkt war nicht viel von mir übrig, und ich hasste mich selbst dafür. Irgendwie gelang es mir, all meinen Mut zusammenzunehmen und mich zu ändern. Als ich das tat, lernte ich eine ganze Reihe Dinge. Erstens, dass ich nicht allwissend bin und dass ich auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen bin, und zweitens, dass es nicht schadet, auch mal einen Rat von jemand anzunehmen."

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Carsten Wohlfeld

Die komplette Titelstory zu Nine Inch Nails könnt ihr in der aktuellen Zillo nachlesen!