Die Zillo-CD 04/2009
Tracklisting:
1. Delain - April Rain
2. Liebe Tod und Teufel - Kleines Zeichen
3. Therapy? - Exiles
4. Imentu - The Sea, My Bedspread
5. Fading Colours - Be An Angel Again
6. Para Bellvm - Clouds (Oblaka)
7. The Raven - Self Denial
8. Blind Ego - Numb
9. Cryonik - Longevity (Remixed by Fragile Child)
10. Alias Caylon - Repeat Offenders
Video:
Letzte Instanz - Video-Interview
Ektomorf - It's Up To You
Der Opener und Titelsong des zweiten Delain-Albums "April Rain" eröffnet natürlich auch unsere April-CD. Der Song vereint elegische Atmosphären, ausladende Melodien und harte Gitarren zu einer radio- und bühnentauglichen Variante des Female-Voices-Gothic-Metal. Und nicht nur weil mit Martijn Westerholt ein ehemaliger Within Temptation-Musiker der Anführer des Projekts ist, dürften Delain bald in einem Atemzug mit der Ex-Band des Keyboarders genannt werden, denn auch qualitativ halten Delain durchaus mit der Band von Martijns Bruder Robert Westerholt mit.
Ob sich Liebe Tod und Teufel bei der Namensgebung vom gleichnamigen Album der EAV beeinflussen ließen, konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen. Überliefert ist hingegen, dass die Klänge von Darkwave, Gothic und Electro die Bandgründer Marqui und Dirk van Dark nachhaltig geprägt haben, denn diese Stile verquicken sie nun mit deutschen Texten und szenetypischen Inhalten zu einem eigenständigen Klangcocktail. Mit "Kleines Zeichen" präsentieren wir euch einen der härteren Songs des Label-Debüts "Hoffnung".
Seit nunmehr 20 Jahren ziehen die Iren Therapy? mit ihrem prägnantem Alternative-Rock-Sound mal größere und mal kleinere Kreise. Denn nach den goldenen 90er Jahren mit Erfolgsalben wie "Troublegum" (1994) müssen die Mannen um Sänger Andy Cairns dieser Tage kleinere Brötchen backen. Doch das hat ihrem Sound nicht geschadet, wie das leicht psychedelische, atmosphärische "Exiles" aus der neuen Scheibe "Crooked Timber" beweist. Und wer genau hinhört, wird hier sogar deutliche Wave-Einflüsse entdecken, weshalb der Song auf dieser Zillo-CD zurecht seinen Platz gefunden hat.
Irgendwo zwischen Heavenly Voices, Trip Hop und Metal fühlen sich die Oldenburger Imentu wohl, die sich ungern auf Bandphotos präsentieren, dafür aber umso lieber die Musik für sich sprechen lassen. Und eben deshalb wollen wir an dieser Stelle auch nicht zu viele Worte über die Band verlieren, denn "The Sea, My Bedspread" aus dem aktuellen Album "Euphoria" dürfte mit seiner melancholischen Grundstimmung und seiner organischen Produktion Statement genug sein.
Satte elektronische Beats eröffnen hernach das Comeback von Fading Colours und machen deutlich, dass De Coy und Leszek Rakowski auch in elf Jahren Veröffentlichungspause nichts verlernt haben. "Be An Angel Again" aus der neuen Scheibe "Come" vereint Electronica mit Trip-Hop-Beats und schwebenden Gesängen zu einer fast schon hypnotischen Nummer, die nichtsdestotrotz Tanzflächen-Appeal verströmt. Wie gut, dass es noch abenteuerfreudige Musiker gibt, die nicht beständig auf Nummer Sicher gehen.
Und all jene, die von Fading Colours zum Schweben in den Wolken verführt wurden, dürfen bei Para Bellvm noch einen Moment dort oben verweilen, schließlich widmen sich die Herren aus Sankt Petersburg in der vorliegenden Geschmacksprobe eben jenen "Clouds". In ihrer Heimatstadt gehören die drei Musiker, deren Vorbilder Bauhaus, Nick Cave, Skinny Puppy, Tool und A Perfect Circle sind, schon zu den Dark-Wave-Größen, die auch auf den großen Festivals gerne gesehene Gäste sind. Ob das bald auch schon hierzulande so sein könnte, entscheidet wie immer die Gunst der Hörer - also euer Urteil!
The Raven sind das Baby des Schweizers Davey Strehler, der die Band nach seiner Auswanderung in Florida gründete und nun mit seinen beiden Mitstreitern Dayn und Jamie große Ziele verfolgt. Ob der von der Combo selbst als Mixtur aus europäischer Melancholie und Hollywood-Glam-Metal klassifizierte Sound taugt, um euch in Ekstase zu versetzen, könnt ihr auf unser CD mit dem straighten Rocker "Self Denial" herausfinden - eine der härteren Nummern des Debüts "One Last Time".
Deutlich anspruchsvoller wird es anschließend bei Blind Ego, denn das Projekt von RPWL-Gitarrist Kalle Wallner wildert in den Fahrwässern der progressiven Rock-Musik. Und bei illustren Gastmusikern wie Arena-Frontmann Paul Wrightson, John Jowitt (IQ) und Sebastian Harnack (Sylvan) am Bass sowie Michael Schwager (Dreamscape) am Schlagzeug, dürfte klar sein, dass hier Profis am Werk sind. "Numb" zeigt euch die metallische und düstere Seite des Projekts, das auf dem aktuellen Zweitwerk mit dem gleichen Titel bisweilen auch deutlich ruhiger und melancholischer zu Werke geht.
Die schwedischen Electro-Newcomer Cryonik, die bisher noch ohne die Unterstützung eines Plattenlabels agieren, ließen ihren Song "Longevity" von dem Nürnberger Projekt FragileChild durch den Remix-Fleischwolf drehen. Das Ergebnis ist im Vergleich zum Future-Pop-orientieren Original getragener und ruhiger, gleichzeitig aber auch experimenteller, sodass der Song nur bedingt repräsentativ für den klassischen Cryonik-Sound ist.
Der Abschluss unserer aktuellen Zillo-CD ist dann wieder eher alternative-rockig gehalten, denn mit Alias Caylon geben sich vier junge Herren aus Flensburg die Ehre, deren Sound eher nach internationalem Format denn nach schleswig-holsteinischer Provinz klingt. Knackig, frisch und mit ein wenig Wehmut geleitet euch "Repeat Offenders" aus dem Album "Follow The Feder" zurück in den (hoffentlich nicht) grauen Alltag.
Nachdem wir euch auf den CDs der letzten beiden Zillo-Ausgaben bereits zwei Songs des aktuellen Letzte Instanz-Albums "Schuldig" vorgestellt haben und uns Holly Loose in den Interviews allerlei Wissenswertes zu der Platte verraten hat, wollen wir euch zum Abschluss noch ein Video-Interview mit drei anderen Bandmitgliedern präsentieren. Als Startschuss einer Serie von Video-Interviews, die ihr künftig immer auf der Zillo-CD findet werdet, konnten wir Gitarrist Oli, Drummer Specki T.D. und Bassist Michael Ende als interessante Gesprächspartner gewinnen.
Brachial wird es dann im zweiten Videoclip, denn die Ungarn Ektomorf - jahrelang als legitime Sepultura-Nachfolger gehandelt - rocken mit "It's Up To You" aus dem neuen Album "What Doesn't Kill Me" alles in Grund und Oben und präsentieren wie gewohnt thrashigen Hardcore/Death-Metal mit aggressiven Shouts und satten Gitarrenwänden, der nicht nur Fans von Sepultura und Soulfly begeistern sollte.
Viel Spaß mit der Zillo-CD!